Presseinformation zum 93. Deutschen Röntgenkongress

Myom-Entfernung „to go“: MR-gesteuerte HIFU-Ablation ermöglicht ambulante Therapie bei gutartigen Tumoren der Gebärmutter

Gutartige Tumore der Gebärmutter, so genannte Myome, können die Lebensqualität der betroffenen Frauen ganz erheblich beeinträchtigen. Die MRT-gesteuerte Ultraschall-Ablation (high-intensity focused ultrasound, HIFU) ist eine schonende Alternative zu existierenden Therapieverfahren. Sie erlaubt eine ambulante Behandlung ohne Operation oder Kathetereingriff, bei der die Patientinnen schon am nächsten Tag wieder ihrem normalen Alltag nachgehen können.


Mindestens eine Million Frauen in Deutschland haben Beschwerden durch so genannte Myome der Gebärmutter. Myome sind im Prinzip gutartige Tumore. Wenn sie groß sind, in den inneren Wandschichten oder sehr zahlreich auftreten, können sie allerdings ausgeprägte Symptome verursachen, angefangen von Unterleibschmerzen und Störungen beim Wasserlassen und Stuhlgang bis hin zu verstärkten und wiederkehrenden Blutungen, sogar unabhängig vom Menstruationszyklus.

„Wenn konservative Therapieansätze nicht ausreichen, um die Symptome in den Griff zu kriegen, gibt es derzeit vor allem zwei Behandlungsoptionen bei symptomatischen Myomen der Gebärmutter“, erläutert Privatdozent Dr. Peter Hunold von der Klinik für Radiologie und Nuklearmedizin am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein in Lübeck. Viele Patientinnen werden operiert, wobei hier entweder die Gebärmutter als Ganzes entfernt oder einzelne Myome chirurgisch ausgeschält werden. Die Alternative sind katheterbasierte Verfahren, bei denen die Blutgefäße, die ein Myom versorgen, mit Hilfe eines über die Leistenarterie eingeführten Katheters gezielt verschlossen („embolisiert“) werden.

Hitzeeinwirkung per Ultraschall schont umliegendes Gewebe

„Mit der HIFU-Ablation steht seit einiger Zeit zusätzlich ein Verfahren zur Verfügung, das komplett ohne Hautschnitte oder Punktionen auskommt, und mit dem die Symptome beim Uterusmyom effektiv angegangen werden können“, so Hunold. Bei der HIFU werden mehrere hochfrequente Ultraschallimpulse, die aus unterschiedlichen Richtungen kommen, nach Art eines Parabolspiegels gebündelt. Dort wo sich die Strahlen treffen, erhitzt sich das Gewebe auf eine Zieltemperatur von 56 bis 60 Grad. Das Myom wird dadurch zerstört. Andere Gewebe, etwa die Haut oder umliegende Organe, bleiben unversehrt, weil die hohen Temperaturen nur dort erreicht werden, wo die unterschiedlichen Schallwellen aufeinander treffen.

Beim Deutschen Röntgenkongress 2012 stellt Hunold eine Studie vor, in der die HIFU-Ablation bei 16 Patientinnen mit einem neu zugelassenen System vorgenommen wurde. Es nutzt für die Steuerung des Ultraschalls die Magnetresonanztomographie (MRT). Die Ultraschallkomponente ist dabei fest in den MRT-Tisch integriert. Die Frau liegt bäuchlings auf dem Tisch. Im Bereich der Gebärmutter befindet sich ein kleines Fenster für den Ultraschall. Dieser kann verschoben und gekippt werden, um den richtigen Schallwinkel zu ermöglichen. „Die Studie zeigt, dass die mit den Myomen assoziierten Symptome durch die HIFU-Ablation effektiv beseitigt werden. Der Behandlungserfolg liegt in derselben Größenordnung wie bei embolisierenden Verfahren“, betont Hunold.

Zielsteuerung mittels MRT hat mehrere Vorteile

Die MRT gibt für die Steuerung des Ultraschalls an den benachbarten Organen vorbei ins Myom detaillierte anatomische Informationen. Die behandelnden Ärzte sehen genau, wo die Myome liegen und können sie ganz gezielt ansteuern und mittels HIFU abtragen. Neben der hohen Präzision hat die Kombination aus HIFU und MRT aber noch einen zweiten Vorteil: „Indem wir Änderungen der Schwingungen der Protonen erfassen, können wir die Temperatur im Zielgewebe in Echtzeit messen“, so Hunold. Damit kann festgestellt werden, ob die notwenige Zieltemperatur im Myom erreicht wird, und eine Erhitzung des umliegenden Gewebes, die zu unerwünschten Nebenwirkungen führen könnte, ist damit praktisch ausgeschlossen.

Die MRT-gesteuerte HIFU-Ablation kann den betroffenen Patientinnen als ambulante Behandlung angeboten werden. „Die Frauen kommen morgens zu uns und können am frühen Nachmittag wieder nach Hause. Am Tag darauf gehen sie dann wieder ganz normal zur Arbeit“, so Hunold. Die Indikationsstellung für den Eingriff erfolgt in gemeinsamer Abstimmung von Radiologen und behandelnden Gynäkologen. Bisher wird das Verfahren allerdings noch nicht flächendeckend durch die Gesetzliche Krankenversicherung erstattet.

Fortbildungspunkte

Die auf dem Röntgenkongress 2012 erworbenen Fortbildungspunkte wurden an die Ärztekammern übertragen und sollten auf den Punktek
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