Presseinformation zum 93. Deutschen Röntgenkongress

Schlaganfall: Große Gefahr aus der Halsschlagader

Schlaganfälle mit unklarer Ursache könnten häufiger als bisher gedacht in der Halsschlagader ihren Ursprung nehmen. Die deutsche Multicenterstudie CAPIAS will derzeit klären, wie häufig Verkalkungen der inneren Halsschlagader (Arteria carotis interna) bei Schlaganfallpatienten tatsächlich sind. Erste Daten deuten darauf hin, dass etwa jeder dritte unklare Schlaganfall dadurch zustande kommt, dass sich krankhafte Ablagerungen, sogenannte Plaque, ablösen und im Gehirn Blutgefäße verstopfen.

Etwa acht von zehn Schlaganfällen sind die Folge von Mangeldurchblutung, so genannten Ischämien. Ischämische Schlaganfälle können entstehen, wenn sich kleine, durch Verkalkung der Arterien (Atherosklerose) veränderte Blutgefäße des Gehirns verschließen. Sie können aber auch entstehen, wenn sich Blutgerinnsel, die sich in anderen Körperregionen gebildet haben, von der Gefäßwand loslösen und dann mit dem Blutstrom ins Gehirn geschwemmt werden.

Ein wichtiges Blutgefäß ist dabei die Arteria carotis interna, die innere Halsschlagader. Ist sie hochgradig eingeengt, kann es zu großflächigen Schlaganfällen kommen. „Das ist aber vergleichsweise selten“, sagt Privatdozent Dr. Tobias Saam vom Institut für Klinische Radiologie am Klinikum Großhadern der Universität München (LMU). „Viel häufiger sind wahrscheinlich atherosklerotische Plaques, die die Arterie nicht oder kaum einengen, die aber so instabil sind, dass Plaquebestandteile sich ablösen und ins Gehirn gelangen können.“

MRT zeigt Plaques im Detail

Wie häufig solche instabilen Plaques der Arteria carotis interna bei Patientinnen und Patienten mit Schlaganfall tatsächlich sind, wird derzeit in der "Carotid Plaque Imaging in Acute Stroke" (CAPIAS) Studie untersucht. Zusammen mit Professor Martin Dichgans vom Institut für Schlaganfall- und Demenzforschung an der LMU München leitet Saam diese Studie, an der außer dem Klinikum Großhadern noch das Klinikum rechts der Isar München (PD Dr. Holger Poppert) und demnächst das Universitätsklinikum Freiburg (PD Dr. Andreas Harloff) beteiligt sind. Die CAPIAS-Studie ist eine von den Wissenschaftlern selbst initiierte Studie, an der in enger Kooperation von Radiologen und Neurologen insgesamt 300 Schlaganfallpatienten teilnehmen, bei denen atherosklerotische Veränderungen der Arteria carotis interna vorliegen.

Saam und seine Kollegen interessiert zweierlei: „Zum einen wollen wir wissen, wie hoch der Anteil von Patienten mit instabilen Plaques bei Schlaganfällen unterschiedlicher Ursache ist, vor allem auch bei Schlaganfällen, deren Ursache unklar ist. Zum anderen interessiert uns, ob instabile Plaques mit einem höheren Rückfallrisiko einhergehen.“ Um das zu klären, erfolgt innerhalb von sieben Tagen nach dem Schlaganfall eine hoch aufgelöste MRT-Untersuchung der Halsschlagadern. Eine weitere derartige Untersuchung sowie eine MRT-Untersuchung des Gehirns folgen ein Jahr später. Mit Hilfe der Black-Blood-MRT lassen sich Typ VI-Plaques identifizieren. Das sind Plaques, bei denen es entweder schon zu einer Einblutung oder einer Gerinnselbildung gekommen ist oder die bereits eingerissen sind.

Typ VI-Plaques bei jedem dritten unklaren Schlaganfall?

Ein Jahr nach Beginn der Studie konnten jetzt die Daten der ersten 50 Patienten in einer Zwischenuntersuchung ausgewertet werden. Und tatsächlich fanden sich bei jedem dritten Schlaganfallpatienten mit unklarem („kryptogenem“) Schlaganfall Typ VI-Plaques in den Halsschlagadern. Bei Patienten, bei denen die Neurologen sich darauf festgelegt hatten, dass die Schlaganfallursache in den kleinen Hirngefäßen („mikrovaskulär“) oder im Herzen („kardioembolisch“) zu suchen ist, war das nur etwa zu zehn Prozent der Fall. Dies könnte darauf hindeuten, dass instabile Verkalkungen der Halsschlagader eine bisher unterschätzte Schlaganfallursache sind.

„Wir müssen jetzt abwarten, ob sich diese Daten bestätigen. Und wir müssen abwarten, wie die Ergebnisse nach einem Jahr aussehen“, betont Saam. Sollten Patienten mit instabilen Plaques tatsächlich ein erhöhtes Rückfallrisiko haben, dann müsste in Interventionsstudien geklärt werden, ob nicht gezielte Früherkennungsmaßnahmen angebracht sind. „Denkbar wären beispielsweise eine intensive medikamentöse Therapie, aber auch invasive Maßnahmen zur Stabilisierung der Plaques“, so Saam.

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